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Privatpraxis für Neurologie, Psychiatrie und Neuropsychologie
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wolfgang Meins
Neuer Wall 32
20354 Hamburg
Sprachen: Deutsch, Englisch
Sekretariat:
Frau Höchst
Tel.: 040 / 30 70 89 88 (Mo.– Do. 9.00 – 13.00 Uhr)
Fax: 040 / 30 70 89 94
Internet: www.prof-meins.de
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Schwerpunkte:
anonym : Was unterscheidet eigentlich Alzheimer von Altersdemenz bzw. einfach dem natürlichen Nachlassen aller Sinne im Alter? Ist Alzheimer wirklich eine Krankheit, oder ist das nicht einfach nur der Gang der Natur, weil wir heute viel älter werden als früher?
PROF. MEINS : Die Alzheimerkrankheit ist tatsächlich eine Krankheit. Hingegen ist das rein altersbedingte Nachlassen der Hirnleistung ein normaler, ein physiologischer Vorgang. Das altersbedingte Nachlassen z. B. des Gedächtnisses kann durchaus auch erheblich sein, es unterschreitet aber nicht eine bestimmte kritische Grenze.
Frau Alvarez : Gibt es Medikamente zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit?
PROF. MEINS : Es gibt Medikamente, die zur Behandlung der Alzheimerkrankheit zugelassen sind. Die Gruppe der Acetycholinesterase-Hemmer umfasst drei Substanzen zur Behandlung der leichten und mittelschweren Alzheimer-Demenz. Das Medikament Memantine ist zugelassen zur Behandlung der mittelschwer bis schweren Alzheimer-Demenz.
anonym : Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für meinen Sohn an Alzheimer zu erkranken, wenn Großmutter + Vater diese Erkrankung hatten bzw. haben?
PROF. MEINS : Ich gehe davon aus, dass die Mutter des Vaters an Alzheimer gelitten hat. Um diese Frage genauer zu beantworten, wäre es erforderlich, das Alter des jeweiligen Erkrankungsbeginns zu kennen. Es gilt nämlich die Regel, je älter der Betroffene, also in diesem Fall Vater und Großmutter waren, als die Krankheit ausbrach, desto geringer fällt die Risikoerhöhung für die Kinder aus. Sie liegt im Mittel bei etwa 2, also das Risiko ist verdoppelt gegenüber Kindern, die keine solche familiäre Belastung haben.
Moderator : Weitere Informationen erhalten Sie auch hier: Alzheimer-Hilfe, Postfach 70 08 33, 60558 Frankfurt, Alzheimer-Hilfe Hotline 0180/33 666 33 (EUR 0,09 pro Minute), montags bis freitags, von 8 bis 20 Uhr, Internet: www.alois.de
Lucky : Was hat das Apolipoprotein E4 mit Alzheimer zu tun?
PROF. MEINS : Das Apoliprotein E4 ist ein so genanntes Risikogen, d. h. wenn man eine spezielle Variante dieses Gens in sich trägt, dann ist das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, deutlich erhöht, aber nicht alle, die diese Risikovariante in sich tragen, erkranken auch an Alzheimer und nicht alle, die an Alzheimer erkrankt sind, tragen dieses Risikogen in sich. Es ist also für die individuelle Prognose nicht wirklich gut geeignet und sollte deshalb nicht routinemäßig im Rahmen der diagnostischen Abklärung bestimmt werden.
anonym : Ist es möglich, eine Alzheimererkrankung mit Hilfe einer Computertomographie zu erkennen?
PROF. MEINS : Nein, mit Hilfe einer Computertomographie ist es nicht möglich, eine Alzheimererkrankung zu erkennen. Oftmals ist im Stadium der leichten beginnenden Alzheimerkrankheit die Computertomographie völlig normal. Typischerweise entwickelt sich dann im Verlaufe der Krankheit eine zunehmende Hirnatrophie, also eine Verkleinerung des Gehirns.
BioLk : Endschuldigen Sie bitte die wahrscheinlich taktlose Frage. Sind sich Menschen über Ihre Krankheit bewusst?
PROF. MEINS : Teils / teils möchte ich sagen. Es gibt eine Minderheit von Patienten, die sich zumindest in bestimmten Krankheitsphasen, typischerweise zu Beginn, Ihrer Krankheit bewusst sind, durchaus auch mit allen ihren Konsequenzen. Die größere Gruppe der Patienten hat aber kein Krankheitsbewusstsein oder aber nur ein recht eingeschränktes. Selten gibt es Patienten, die bis in fortgeschrittene Demenzstadien ein volles und zumindest überwiegend realistisches Krankheitsbewusstsein behalten.
anonym : Was passiert eigentlich bei Alzheimer im Gehirn?
PROF. MEINS : Das ist natürliche eine schwierige und vor allem komplexe Angelegenheit. Durch eine Kaskade von Vorgängen verschiedener Art, z. B. der Ablagerung bestimmter Eiweiße, kommt es letztlich zum Nervenzelluntergang und zum Verlust der Verbindungen von Nerven untereinander. Das ist dann die Basis für die sich im Alltag darstellenden Symptome, also z. B. der Vergesslichkeit. Diese Veränderungen entwickeln sich nicht im gesamten Gehirn gleichmäßig, sondern folgen typischerweise einer bestimmten zeitlichen und räumlichen Ordnung. Auch das ist dann wiederum die Grundlage dafür, dass zunächst die Störungen recht umschrieben sind, aber mit Fortschreiten der Erkrankung, also der Einbeziehung von immer mehr Hirnarealen in den Prozess, die Art der Einschränkungen zunimmt. Bis schließlich alle Funktionen gestört sind.
Masterson : Was kann man tun, wenn der Arzt sich weigert, Medikamente gegen die Alzheimer-Krankheit zu verschreiben?
PROF. MEINS : Man kann natürlich versuchen, den Arzt zu wechseln, also von einem Hausarzt zu einen anderen zu gehen. Man kann auch versuchen, wenn etwa der Hausarzt die Verschreibung verweigert, sich zu einem Facharzt überweisen zu lassen. Das garantiert aber alles natürlich noch nicht den gewünschten Erfolg, den man als Patient oder Angehöriger aber leider nicht erzwingen kann. Eine weitere Möglichkeit wäre die Vorstellung des Patienten in einer Gedächtnisambulanz oder Memoryklinik an einem Krankenhaus. Diese Einrichtungen verfügen oft, aber auch nicht immer, über die Möglichkeit, für Kassenpatienten Demenzmedikamente zu verordnen. Außerdem besteht an solchen Einrichtungen, besonders wenn sie zu Universitätskliniken gehören, die Möglichkeit, sich an Medikamentenstudien zu beteiligen.
anonym : Bezahlen die Krankenkassen die neuen Alzheimermedikamente?
PROF. MEINS : Grundsätzlich bezahlen die Krankenkassen die neuen Alzheimermedikamente, denn diese Medikamente werden als medizinisch notwendige Behandlung auch von den Krankenkassen betrachtet.
Kumnika : Wieso treten diese Erkrankungen jetzt in den letzten 20 Jahren gehäuft auf? Es geht uns doch so gut wie nie zuvor!
PROF. MEINS : Eigentlich kommen die Demenzerkrankungen nicht häufiger vor als noch vor 20 Jahren. Dass einem das so vorkommt hat zwei Ursachen: Die Bevölkerung ist in den letzten 20 Jahren im Mittel älter geworden und weil das Alter der bedeutsamste Risikofaktor ist für die Demenzentstehung, kommt diese Erkrankung dementsprechend häufiger vor. Der andere Grund ist darin zu suchen, dass sowohl die Ärzte aber auch die so genannten medizinischen Laien während der letzten fünf bis acht Jahre viel über Demenz gelernt und gelesen haben. Sie erkennen jetzt Zustände als krankhaft, die früher noch unter der Bezeichnung der normalen Altersvergesslichkeit oder der Altersdemenz betrachtet wurden.
DieterNeuperth : Meine Frau leidet unter beginnendem Alzheimer, aber sie ist nicht orientierungslos. Unser Hausarzt ist sehr nett, will aber nichts machen. Jetzt habe ich gehört, dass es einen Wirkstoff gibt, der den weiteren Abbau im Gehirn verzögert. Gibt es diesen Wirkstoff bereits in einem Medikament, damit man das kaufen kann? Ich will das ja alles gern direkt bezahlen, möchte nur wissen, wie ich daran komme.
PROF. MEINS : Es gibt Wirkstoffe, nämlich die bereits erwähnten Acetycholinesterase-Hemmer, die den Verlauf der Alzheimerkrankheit zumindest zeitweilig verlangsamen können. Natürlich sollte der Arzt eines dieser Medikamente, z. B. Aricept, verordnen, wenn er das nicht tut, z. B. weil sein Budget das nicht hergebe, dann würde immer noch die Möglichkeit bestehen, dass er Ihnen notfalls ein Privatrezept ausstellt und Sie auf diese Weise das Medikament erhalten, auch wenn Sie es dann selbst bezahlen müssen.
R_Ipalla : Wo ist der Übergang, wo hört „normale” Vergesslichkeit im Alter auf und wo beginnt eine echte Alzheimer Erkrankung?
PROF. MEINS : Die echte Alzheimererkrankung, nach der hier gefragt wird, ist nicht nur durch eine Gedächtnisstörung gekennzeichnet. Es muss immer auch mindestens ein anderer Hirnleistungsbereich, wie z. B. die logische Denkfähigkeit, die Kritik- und Urteilsfähigkeit, in Mitleidenschaft gezogen werden und eine normale Altersvergesslichkeit ist nicht so stark ausgebildet, dass es zu ernsten Problemen in der Alltagsbewältigung kommt.
Rauschmeier : Gibt es Alzheimer auch in unterentwickelten Ländern oder ist das wieder eine unserer gelungenen Folgeerscheinungen der westlichen Lebensführung?
PROF. MEINS : Alzheimer gibt es selbstverständlich auch in unterentwickelten Ländern, weil die dort die Lebenserwartung aber oftmals deutlich niedriger als in den entwickelten Ländern ist, spielt diese Erkrankung zahlenmäßig eine nur untergeordnete Rolle. Zumindest derzeit noch.
Krögermann : Wodurch unterscheiden sich Aricept und Donepezil?
PROF. MEINS : Bei Aricept und Donepezil handelt es sich um ein und dasselbe Medikament. Donepezil ist die chemische Bezeichnung und Aricept der Handelsname.
Nissen : Seit meine Mutter mit diesen Acetylcholin-Blocker behandelt wird, hat sie regelmäßig Durchfälle. Und zwar ziemlich unangenehm. Der Arzt sagte, das würde aufhören nach einer Zeit. Tut es aber nicht. Auch nach 4 Monaten immer noch das gleiche. Würde Prof. Meins ein Mittel gegen Durchfall empfehlen oder lieber nicht so viele Medikamente?
PROF. MEINS : Dieses Problem kommt leider vor bei diesen Medikamenten, wenn auch nur bei einer Minderheit und meistens hört es auch nach wenigen Tagen auf, aber bei einigen wenigen Patienten eben nicht. Falls eine Dosisverminderung möglich ist, ohne dass dabei die Wirkdosis unterschritten wird, sollte man das tun. Auch gibt es die Möglichkeit, auf einen anderen Acetycholinesterase-Hemmer umzusetzen. Auch, wenn das Nebenwirkungs-spektrum zwischen diesen drei zu dieser Gruppe gehörenden Substanzen ziemlich gleich ist, gibt es doch immer wieder auch individuelle Unterschiede, so dass ein Umstellungsversuch sich lohnt. Wenn auch der keine Besserung erzielt, sollte man nicht zögern, das Medikament abzusetzen. Denn Durchfall und Demenz ist meist eine äußerst ungünstige Kombination.
Janis : Was ist ein Acetycholinesterase-Hemmer?
PROF. MEINS : Ein Acetycholinesterase-Hemmer ist ein Medikament, das dieses Enzym, also die Acetycholinesterase, hemmt. Dadurch wird in bestimmten Teilen des Nervensystems die Konzentration des Botenstoffes Acetycholin erhöht und dieser ist wiederum notwendig, z. B. für ein funktionierendes Gedächtnis und eine gute Konzentrationsfähigkeit. Darüber hinaus haben die einzelnen Vertreter dieser Medikamentengruppe noch individuelle weitere Wirkmechanismen, aber die Hemmung des oben genannten Enzyms scheint dabei der wesentliche Wirkmechanismus zu sein.
anonym : Gibt es Medikamente gegen Nebenerscheinungen der Alzheimererkrankung (Depressionen, innere Unruhe, Schlafstörungen), die keine gravierenden Nebenwirkungen hervorrufen?
PROF. MEINS : Ja, solche Medikamente gibt es durchaus, aber ein Nullrisiko im Bezug auf Nebenwirkungen haben diese Medikamente auch nicht. Aber das Nutzen-Risiko-Profil fällt insgesamt doch recht günstig aus. Das gilt sowohl für bestimmte Antidepressiva als auch für ein Medikament zur Behandlung der inneren Unruhe und zum Teil auch für Medikamente zur Behandlung von Schlafstörungen, das oftmals besonders schwierig ist.
Diana_Bhuchold : Mein Cousin, 32 Jahre, hat alle Anzeichen von Alzheimer, aber ich wage es nicht, mit meiner Tante darüber zu sprechen. Wie macht man das? Soll ich mich heraushalten oder ist das verantwortungslos meinem Cousin gegenüber, dem dadurch möglicherweise Chancen genommen werden, weil Zeit ungenutzt vergeht? Ist das überhaupt möglich, gibt es eine Behandlung für so junge Menschen. Ich war bei unserer letzten Familienzusammenkunft total geschockt. Andere auch, aber keiner unternimmt was und meine Tante will es offenbar nicht sehen.
PROF. MEINS : Zunächst ist es ja nur ein Verdacht von Ihnen, dass Cousin an Alzheimer erkrankt sein könnte, aber wenn sich bei einem solchen jungen Menschen dieser Verdacht aufdrängt, heißt es ja in aller Regel, dass zumindest eine ernsthafte Erkrankung vorliegt, sei es nun Alzheimer oder eine andere ähnliche Erkrankung. Ich kann Ihnen natürlich aus der Ferne nicht vollen Herzens raten, Ihre Tante anzusprechen, aber es scheint mir doch der einzige Weg zu sein, hier einen Schritt weiterzukommen. Vielleicht sollten Sie diese Frage noch einmal abwägen und dabei überlegen, was denn die von Ihnen befürchtete schlimme Konsequenz seitens der Tante sein kann.
anonym : Wie heißen die von Ihnen genannten Medikamente, und was kosten die in etwa?
PROF. MEINS : Die von mir genannten Medikamente heißen für die Gruppe der Acetycholinesterase-Hemmer Aricept, Exelon und Reminyl. Das andere vorhin erwähnte Medikament, welches nicht zu dieser Gruppe gehört und zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Alzheimerdemenz zugelassen ist, heißt Axura oder Ebixa. Die Kosten für diese Medikament liegen etwa bei knapp EUR 100,00 im Monat.
Oswald_Dorn : Mein Vater muss an der Galle operiert werden und nimmt allerlei Medikamente fürs Herz, gegen hohen Blutdruck etc. Seit einigen Monaten bekommt er auch ein Alzheimer-Medikament namens „Aricept”. Seither geht es ihm spürbar besser. Wie müssen wir ihn jetzt medikamentös vorbereiten auf die Operation? Was muss abgesetzt werden? Was passiert in seinem Körper, oder auch mit ihm, wenn er mehrere Tage darauf verzichten muss? Bekommt er dann einen Rückfall?
PROF. MEINS : Bei einer anstehenden Operation muss das Medikament tatsächlich kurzfristig abgesetzt werden. In der Regel aber nur am OP-Tag selbst. Der Anästhesist, also der Narkosearzt, wird das wahrscheinlich auch so vorher besprechen und anordnen. Aricept und andere Medikamente aus dieser Gruppe vertragen sich nicht gut mit bestimmten Narkosemitteln, das ist der Grund dafür, dass Aricept kurzfristig abgesetzt werden muss. Beim kurzfristigen Absetzen passiert in der Regel nichts Schlimmes, gravierender sind allerdings leider oft die Auswirkungen der Operation und der Narkose. Aber, wenn diese Operation sein muss, dann lässt sich das nicht ändern. Nach der Operation kommt es häufig bei alten Menschen sowieso und bei Demenzkranken in ganz besonderem Maße zu einem Verwirrtheitszustand, der sich in aller Regel zwar nach einigen Tagen wieder bessert. Aber, dass das Niveau von vor der Operation wieder erreicht wird, ist nicht in jedem Fall gegeben. Deshalb wird die Entscheidung für eine Operation bei Alzheimerkranken in aller Regel besonders kritisch gestellt.
Moderator : Weitere Informationen erhalten Sie auch hier: Alzheimer-Hilfe, Postfach 70 08 33, 60558 Frankfurt, Alzheimer-Hilfe Hotline 0180/33 666 33 (EUR 0,09 pro Minute), montags bis freitags, von 8 bis 20 Uhr, Internet: www.alois.de
Kewisch : Gibt es inzwischen etwas, was diese Verklebungen im Gehirn verzögert oder auflöst? Woran wird gegenwärtig hauptsächlich geforscht?
anonym : Kann es sein, dass ein im Rahmen einer Schmerztherapie verordnetes Präparat (L-Polamidon-Tropfen) die Entstehung von Alzheimer bewirkt hat?
PROF. MEINS : Nein, das kann nicht sein, dass dieses Präparat die Entstehung von Alzheimer bewirkt hat. Es kann höchstens sein, das ist jetzt aber eine recht theoretische Überlegung, dass dieses Medikament in Folge einer relativen Überdosierung zu einem Verwirrtheitszustand geführt hat. Und gelegentlich ist es so, dass ein Verwirrtheitszustand sich nicht vollständig wieder zurückbildet, besonders bei Patienten, die kurz davor standen, eine Alzheimerdemenz zu entwickeln. Dann hat ein solcher Verwirrtheitszustand, wie man in der Medizin sagt, die Krankheit demaskiert, die aber ansonsten auch entstanden wäre, wenn vielleicht auch etwas später.
Andrea : Meine an Alzheimer erkrankte Mutter möchte nicht zum Arzt gehen, was kann ich tun?
PROF. MEINS : Sie können zweierlei tun: Die ablehnende Haltung Ihrer Mutter so akzeptieren, auch wenn es schwer fällt oder Sie können Ihre Mutter überreden, ggf. unter einem Vorwand, doch mit zum Arzt zu gehen, denn oft macht man Demenzkranken die Erfahrung, dass wenn sie erst einmal in einer konkreten Situation sind, sie ihre zuvor geäußerte ablehnende Haltung dann nicht aufrecht erhalten. Der Arzt allerdings sollte dann über die vorher geäußerte ablehnende Haltung Ihrer Mutter informiert sein.
anonym : Wovon hängt es ab, ob ein Alzheimer Patient mit Memantine oder Acetylcholinesterase-Hemmer behandelt wird?
PROF. MEINS : Ich könnte natürlich sagen, das hängt ab vom Verordner, aber es sollte abhängen vom Demenzstadium. Bei leichten oder mittelschweren Stadien sind die Acetycholinesterase-Hemmer Medikamente der ersten Wahl. Im schweren Demenzstadium und eventuell auch im Übergangsstadium vom mittelschweren zum schweren Demenzstadium ist Memantine das Medikament der ersten Wahl. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass ein Patient, der z. B. auf Aricept gut angesprochen hat und sich jetzt im Übergangsstadium von mittelschwer zu schwer befindet, unbedingt umgestellt werden muss auf Memantine. Genauso gut kann die Behanldung mit Aricept fortgesetzt werden. Nur, wenn die Behandlung in diesem fortgeschrittenen Demenzstadium startet, dann sollte Memantine zur Anwendung kommen.
Jutta_Stieger : Könnte Prof. Meins einmal sagen, welche Gedächtnisstörungen durch das Lebensalter beeinflusst werden?
PROF. MEINS : Die besten Gedächtnisleistungen haben wir mit Ende 20 und dabei handelt es sich um die Fähigkeit, neue Informationen zu lernen, sie zu behalten und sie auch wieder abzurufen. Gerade diese Fähigkeit lässt mit zunehmendem Lebensalter dann kontinuierlich nach. Aber das Ausmaß, in dem es zu diesem Nachlassen kommt, ist von Mensch zu Mensch äußerst unterschiedlich. Weniger in Mitleidenschaft gezogen durch das Alter ist das so genannte Altgedächtnis, in dem wir unser biographisches Wissen oder auch das so genannte Weltwissen, also all das, was wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben, gespeichert haben.
PeterKrumm : Ich kann nicht mehr. Mir ist die Pflege meines Mannes zu viel, möchte sehr, sehr gern mal Urlaub machen. Könnte mir der Experte einen Hinweis geben, wie ich evtl. mit meinem Mann zusammen verreisen kann?
PROF. MEINS : Es gibt einige Einrichtungen in Urlaubsorten, die sich spezialisiert haben auf Demenzkranke und ihre Angehörigen. Ich bin sicher, dass die Alzheimergesellschaft in Ihrer Nähe Sie darüber informieren kann. Mir z. B. ist eine solche Einrichtung an der Ostsee bekannt und wird von mir auch häufiger empfohlen.
Stefan_Trabert : Bewegung und Sport sind für alles rundum gut, aber warum nun gerade viel Bewegung Alzheimer verhindern soll, ist mir nicht verständlich. Könnte der Experte sich dazu äußern?
PROF. MEINS : Ja, das sagen Ärzte natürlich immer, dass Bewegung und Sport vielleicht nicht für Alles aber für Vieles gut sei. Zumindest, wenn man es denn in Maßen betreibt. Ob tatsächlich viel körperliche Bewegung in jüngeren Jahren oder auch im mittleren Erwachsenenalter das Risiko, später an einer Alzheimerdemenz zu erkranken, vermindert, ist aber bisher nicht wirklich eindeutig belegt. Man könnte sich aber grundsätzlich vorstellen, dass durch die körperliche Bewegung sowohl die Gehirndurchblutung als auch der Gehirnstoffwechsel angeregt wird und dadurch die Aufnahmefähigkeit des Gehirns für neue Informationen verbessert wird.
Elke : Meine Mutter hat eine beginnende Demenz, die zur Zeit mit Ebixa 10mg gemildert wird. Meine Mutter weiß bisher nichts von der Schwere ihrer Krankheit und gibt mir das Gefühl es auch nicht wissen zu wollen. Zur Zeit ist sie sehr fröhlich und auch gut orientiert und ich möchte ihre Lebensqualität nicht aktiv verschlechtern. Auf der anderen Seite ist es sicher notwendig, solange sie noch selbst urteilen kann, einige Vollmachten von ihr zu erhalten und auch nach ihren Wünschen bezüglich einer späteren Pflege zu fragen. Meine Frage nun: Was und wie sage ich es ihr?
PROF. MEINS : Das kann ich gut verstehen, dass Sie alles vermeiden möchten, um die Lebensqualität Ihrer Mutter zu verschlechtern. Dieses Problem, nämlich rechtzeitig über Vollmachten und ähnliches zu sprechen, kommt leider sehr häufig vor. Manchmal muss man leider zu einigen Notlügen greifen, indem man etwa bei einem Demenzkranken ohne Krankheitsbewusstsein das so akzeptiert und das Problem zukünftiger Pflege ganz allgemein mit ihr erörtert. Also z. B., es ist ja schön, dass es Dir zur Zeit noch so gut geht, aber wir wissen ja, dass sich das schon morgen vielleicht ändern, deshalb sollten wir doch dieses oder jenes Thema schon einmal besprechen. Man kann und sollte dann durchaus vermeiden, das Thema Demenz direkt anzusprechen. Wichtig ist, dass am Ende eine Lösung herauskommt, die die Interessen des Betroffenen angemessen berücksichtigt. Aber weniger wichtig ist, wie diese Lösung entstanden ist.
HIER : Gibt es wirklich aussagekräftige Studien (keine Anwendungsbeobachtung!), die belegen, dass diese wohl ziemlich teueren Medikamente Alzheimer wirklich aufhalten? Ich brauche Argumente für unsere Kasse, damit ich belegen kann, dass die Kasse in anderen Bereichen für die Betreuung meiner Frau Geld sparen kann.
PROF. MEINS : Ich glaube, es ist nicht notwendig, dass Sie die Kasse von der Wirksamkeit der Alzheimermedikamente überzeugen müssen. Das wissen die Kassen selbst und es wird erwartet, dass in Kürze auch ein Institut, welches die Wirksamkeit einzelner medikamentöser Behandlungen für die Deutsche Medizin untersucht, das noch einmal ausdrücklich bestätigt. Die Kassen machen es sich aber oftmals leicht, indem sie einfach sagen, selbstverständlich bezahlen und wenn die Voraussetzungen für ein solches Medikament erfüllt sind, dann muss es der Arzt verordnen und mit der Bezahlung gäbe es keine Probleme. Das sieht der verordnende Arzt in der Regel etwas, weil er nur ein bestimmtes Budget für die Behandlung seiner Patienten zur Verfügung hat und befürchten muss, eventuell Überschreitungen dieses Budgets persönlich ausgleichen zu müssen.
Ruth_Mitt : Unsere Mutter war immer äußerst penibel in der persönlichen Pflege und der Pflege ihrer Wohnung. Erst waren die Veränderungen kaum merklich und wir haben das der veränderten Situation durch den Tod unseres Vaters zugeschrieben, aber wir können jetzt nicht mehr darüber hinwegsehen. Es kommen erhebliche Konzentrationsstörungen dazu, sie verlegt Dinge, knöpft sich die Bluse (mäßig gebügelt, anders als sonst) schief zu. Was ist jetzt als nächstes zu tun. Meine Schwester und ich sind beide voll berufstätig. Keine Chance unsere Mutter täglich zu unterstützen. Gibt es medikamentöse Hilfe, die die Krankheit an dieser Stelle „einfriert”, damit es wenigstens nicht weiter geht? Noch kommt sie einigermaßen zurecht.
PROF. MEINS : Der erste Schritt wäre, hier die Diagnose definitiv zu stellen und auf dieser Grundlage eine angemessene medikamentöse Behandlung zu beginnen, aber auch über nichtmedikamentöse Unterstützungsmaßnahmen nachzudenken. Dazu reicht oftmals der Besuch bei einem Hausarzt oder Facharzt nicht aus. Zusätzliche Beratung gerade über verschiedene Unterstützungsangebote bieten in aller Regel die Alzheimergesellschaften vor Ort oder andere Beratungseinrichtungen.
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Karsten : Als neuestes habe ich jetzt gehört, dass bei Alzheimerpatienten das Gehirn schrumpft. Ich dachte da verkleben Übermittlungswege. Weiß man wirklich noch so wenig über diese Krankheit, dass derart fundamentale Erkenntnisse an der Tagesordnung sind. Wie soll denn die Wissenschaft da hinterherkommen mit der Entwicklung von Medikamente? Wann bekommen die Patienten eine echte Chance? Ich bin verzweifelter Angehöriger.
PROF. MEINS : Dass bei Alzheimerpatienten das Gehirn schrumpft, war schon Alzheimer vor 100 Jahren bekannt, denn es kommt ja zum Nervenzelluntergang und das führt zwangsläufig zu einer Verkleinerung des Gehirns. Aber selbstverständlich spielen noch zahlreiche andere Vorgänge und zum Teil auch solche, die man noch gar nicht kennt, bei der Entstehung der Alzheimerkrankheit eine Rolle. Ich glaube, dass die Medizin in den letzten Jahren sehr viel in Erfahrung gebracht hat über diese Entstehung und dadurch auch sehr viele Ansatzpunkte für Medikamente sich abzeichnen. Aber der Weg von solchen Grundlagenforschungs-ergebnissen hin zu wirksamen und verträglichen Medikamenten ist ein sehr langwieriger und dornenreicher. Deshalb werden wir wahrscheinlich zumindest in den nächsten drei bis vier Jahren auch keine bahnbrechenden neuen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung haben. Aber die Hoffnung ist doch begründet, dass in z. B. gut fünf Jahren sich hier eine Besserung abzeichnet, dass nämlich Medikamente beginnen, zur Verfügung zu stehen, die wirksamer sind als die heutigen oder deren Wirkung wesentlich ergänzen können. Aber ich befürchte, dass diese Perspektive für die heutigen Patienten nichts mehr nützt.
anonym : Ist Hirnleistungstraining bei Demenz sinnvoll?
PROF. MEINS : Ja und nein. Grundsätzlich gilt, dass wenn die Demenz erst einmal ausgebrochen ist, durch Hirnleistungstraining keine alltagsrelevante Besserung der Hirnleistung erzielt werden kann. Dennoch wird, z. B. auch in meiner Praxis, ein Hirnleistungstraining häufig durchgeführt. Der Grund dafür ist, dass die Patienten, die an einer solchen Gruppe unter Gleichbetroffenen teilnehmen, das Gefühl haben, etwas aktiv gegen ihre Krankheit zu tun und das auch noch im Kreise von Betroffenen. Das führt bei den Gruppenteilnehmern zu einer Besserung ihrer Lebensqualität und oft auch zu einer Besserung von Depressivität. So ist für eine ausgewählte Gruppe von Demenzpatienten, also für solche, die ein gewisses Krankheitsbewusstsein haben und zudem nicht unter störenden Verhaltensproblemen leiden die Teilnahme an einer solchen Gruppe oftmals ein erheblicher Gewinn. Ein Hirnleistungsdrill zu Hause bei Patienten, die das eigentlich gar nicht möchten, ist aber sicherlich kontraproduktiv.
Paolo : Gibt es eine Verbindung zwischen Alzheimer und Parkinson? Mein Vater hat Parkinson seit 8 Jahren, Dopa wirkt schon nicht mehr so richtig und ich habe den Eindruck, jetzt kommt noch Alzheimer oder eine Demenz dazu. Ist das möglich, gibt es dazu überhaupt wissenschaftliche Erkenntnisse?
PROF. MEINS : Ja, es gibt dazu wissenschaftliche Erkenntnisse. Das Risiko von Parkinson-Patienten, eine Demenz zu entwickeln, ist wesentlich höher als in der Normalbevölkerung. Oftmals ist die Demenz bei Parkinson-Krankheit durch ganz ähnliche Gehirnveränderungen charakterisiert wie bei der Alzheimer-Demenz ohne Parkinson.
Joksch : Gibt es eine Möglichkeit, auf den Nervenbotenstoffs Acetycholin Einfluss zu nehmen? Der soll nämlich entscheidend dafür verantwortlich sein, dass mein Vater immer mehr abbaut.
PROF. MEINS : Acetycholin ist vielleicht nicht entscheidend dafür verantwortlich, dass Ihr Vater immer mehr abbaut, aber sicherlich wesentlich daran mitbeteiligt. Durch die Medikamente aus der Gruppe der Acetylcholinesterase-Hemmer ist es möglich, Einfluss auf das Acetylcholin zu nehmen, also eine Erhöhung der Verfügbarkeit dieser Substanz in bestimmten Hirnarrealen zu erzielen.
GiselaHeil : Unsere Mutter (84 J.) mit Alzheimer-Demenz zeigt wechselhaftes Krankheitsbild: Guter Tag - schlechter Tag - guter Tag im 24 Std. Takt. Die schlechten Tage: Agitiertheit, Versagensängste, manische Handlungen (z. B. ständiges Auf-die-Toilettte-Gehen), ständige Satzwiederholungen, erhöhtes Schlafbedürfnis, teilweises Einnässen und Einkoten etc. Die guten Tage: Orientiertheit, adäquates Antworten, gute Zuordnung von Namen und Personen, Ausführen von kleinen Hilfen im Haushalt mit viel Freude, ausgiebige Spaziergänge ohne Angst und ständiges Fragen. Haben Sie eine Erklärung für den ständigen Bewusstseinswechsel von Tag zu Tag? Wie kann man lernen, damit umzugehen?
PROF. MEINS : Ihre Schilderung ist ungewöhnlich für einen Alzheimerpatienten. Und weckt die Frage, ob hier wirklich eine Alzheimerdemenz vorliegt oder nicht doch eine so genannte Demenz mit Lewy-Körperchen. Diese Demenzform ist nämlich im besonderen Maße durch einen solchen Wechsel, wie Sie ihn schildern, charakterisiert. Allerdings haben diese Patienten zu den Demenzsymptomen auch Parkinson-Symptome, also ein kleinschrittiges Gangbild und steife Muskeln. Liegt das bei Ihrer Mutter vor? In der Regel sprechen solche Zustände, seien sie nun im Rahmen einer Alzheimerdemenz oder im Rahmen einer Demenz mit Lewy-Körperchen, besonders gut auf die Acetycholinesterase-Hemmer an. Grundsätzlich wäre zur Erklärung dieser erheblichen Wechsel oder Fluktuationen, wie man sagt, aus medizinischer Sicht auch zu überlegen, ob irgendwelche organischen Ursachen jenseits der Demenzerkrankung dafür verantwortlich sind.
GiselaHeil : nein
PROF. MEINS : Dann liegt eine Demenz mit Lewy-Körperchen wahrscheinlich nicht vor. Umso wichtiger erscheint mir dann noch einmal der Frage nachzugehen, ob es nicht medizinische Erklärungen für dieses stark wechselnde Befinden gibt, z. B. ein bisher nicht entdeckter chronischer Harnwegsinfekt oder eine leichte Entgleisung von bestimmten Blutwerten, z. B. Natrium.
anonym : Was kann man denn zur Vorbeugung gegen die Alzheimer-Kranheit tun?
PROF. MEINS : Die Vorbeugung gegen die Alzheimerkrankheit unterscheidet sich gar nicht so wesentlich von der Vorbeugung gegen z. B. Gefäßerkrankungen. Man hat während der letzten Jahre erforscht, dass die typischen Gefäßrisikofaktoren auch das Risiko der Alzheimerkrankheit ungünstig beeinflussen. Man sollte also Übergewicht vermeiden, einen Bluthochdruck konsequent behandeln, sich fischreich ernähren, eine eventuell vorhandene Zuckerkrankheit konsequent behandeln, sich geistig rege halten und - wahrscheinlich ist auch das sinnvoll - sich regelmäßig körperlich betätigen. Darüber hinaus ist wahrscheinlich eine Vitamin E- und Vitamin C-reiche Ernährung hilfreich.
Löwe : Man spricht doch immer von Wortfindungsstörungen. Neulich kam mir das Wort Bechterew nicht, als ich einen gebückt gehenden Menschen sah und meinen neben mir stehenden Freund darauf aufmerksam machen wollte. Erst am nächsten Tag kam ich drauf. Das hat mir Angst gemacht. Muss ich mir Sorgen machen?
PROF. MEINS : Nein, ich glaube nicht, dass Sie sich Sorgen machen müssen. Wortfindungsstörungen sind zwar neben der Vergesslichkeit ein häufiges frühes Symptom der Alzheimerkrankheit. Aber die Wortfindung unterliegt genauso wie das Gedächtnis für neue Informationen einem gewissen Altersabbau und es gehört leider zum Alter dazu, dass das Gehirn nicht immer im richtigen Moment in der Lage ist, die korrekte Schublade, sprich die gesuchte Bezeichnung, zu finden. Erst, wenn Wortfindungsstörungen häufig und regelhaft vorkommen und zudem in anderen Hirnleistungsbereichen, also z. B. Konzentration und Gedächtnis, auch Schwierigkeiten bestehen, muss man sich sorgen, dass es eine beginnende Alzheimerkrankheit sein könnte.
Beerger2 : Das Gedächtnistraining hat sich sehr positiv ausgewirkt bei meinem Vater, aber er hat keine Lust dazu, ist kaum zu motivieren und wir haben Sorge, dass er irgendwann damit aufhört. Kennt der Experte das auch von anderen Patienten? Gibt es „Experten-Tricks” wie man meinen Vater dafür wieder interessieren kann?
PROF. MEINS : Das ist häufig so, dass entweder von vornherein oder aber im Krankheitsverlaufe die Lust und Motivation für bestimmte Dinge, z. B. das Gedächtnistraining, abnimmt. Meist ist sie dann auch nicht mehr zu wecken. Eine Möglichkeit, die man jedoch versuchen sollte, wäre Ihren Vater mit anderen, vielleicht etwas ansprechenderen Trainingsmaterialien zu versorgen. Es gibt ja mittlerweile eine bedeutende Zahl von Büchern zu diesem Thema mit praktischen Übungen, die allerdings unterschiedlich ansprechend sind.
BioLk : 1. Haben Sie vielleicht Tipps, wie man diese Krankheitserscheinung einer 5 Klasse näher bringen kann, bzw. den Schülern die Krankheit verständlich machen kann (z. B. durch Versuche)? 2. Wie kann man den Patienten das Leben erleichtern bzw. verschönern und lebenswerter machen? 3. Gibt es neue medizinische Erkenntnisse über die Heilung, Behandlung und Vorbeugung auf dem Gebiet Alzheimer-Demenz?
PROF. MEINS : Zunächst zum ersten Teil der Frage: Hilfreich könnte hier ein Film sein über einen Betroffenen. Am besten ein Film der den Betroffenen in gesunden Jahren zeigt und dann in seiner Krankheit. Auch hier müsste eigentlich die örtliche Alzheimergesellschaft Ihnen weiterhelfen können. Falls das nicht der Fall sein sollte, wäre es auch einen Versuch wert, sich an eine Pharma-Firma zu wenden, die eines der Alzheimermedikamente herstellt. Oder auch an andere Informations- und Beratungsangebote. Die zweite Frage ist natürlich sehr allgemein und man muss zunächst grundsätzlich akzeptieren, dass es bei dieser schlimmen Krankheit oftmals keinen oder nur kurzfristig einen Weg gibt, um das Leben zu verschönern und lebenswerter zu machen. Die Frage positiv zu beantworten, würde den Rahmen jetzt etwas sprengen, weil das auch individuell sehr unterschiedlich ist. Zur dritten Frage habe ich heute Abend bereits mehrmals Stellung genommen und darf Sie auf die entsprechenden Antworten verweisen.
Moderator : Weitere Informationen erhalten Sie auch hier: Alzheimer-Hilfe, Postfach 70 08 33, 60558 Frankfurt, Alzheimer-Hilfe Hotline 0180/33 666 33 (EUR 0,09 pro Minute), montags bis freitags, von 8 bis 20 Uhr, Internet: www.alois.de
anonym : Bin jetzt schon von Anfang an dabei. Aufgefallen ist mir, dass es wohl doch inzwischen möglich ist, mit geeigneten Medikamenten etwas zu erreichen. Könnten Sie noch einmal sagen, welche Medikamente empfehlenswert sind in der ersten Phase. Also meine Mutter lebt bei uns, das geht, aber es ist schwierig. Es würde den Alltag sicherlich leichter machen für alle, wenn wir das Fortschreiten hinauszögern könnten.
PROF. MEINS : Die im Falle Ihrer Mutter in Frage kommenden Medikamente heißen Aricept, Exelon oder Reminyl.
PROF. MEINS : Liebe Teilnehmer, die zwei Stunden sind wie im Fluge vergangen. Ich hoffe, dass ich zumindest einige Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantworten konnte und ich hoffe auch, dass irgendwann einmal die Beschäftigung mit dieser Krankheit für alle Beteiligten positiver ist als heute. Umso wichtiger erscheint es mir aber, bereits heute all das zu tun, sei es medikamentöser oder nichtmedikamentöser Art, was möglich und sinnvoll ist. Vielen Dank für Ihre Teilnahme.
dr pipo: assasasasasas
13j : Mein Vater ist 92 Jahre alt und manchmal verwirrt, oft ganz klar, weiß noch viele Dinge sehr genau, aber er verwechselt beim Reden immer häufiger die Buchstaben, so dass Fremde ihn nicht verstehen können. Ich weiß immer, was er meint, weil ich ihn so lange und gut kenne. Nun klammert er sich an mir fest, so dass ich kaum noch Luft habe. Er ist sehr unruhig, schläft wenig, redet sehr viel und das ist für alle sehr anstrengend. Was kann man tun, um ihn ruhig und zufrieden zu kriegen, denn er leidet selber sehr unter der zunehmenden Vergesslichkeit? Oft will er nicht mehr leben. Die Stimme klingt sehr oft jämmerlich. Manchmal hat er Halluzinationen (sieht aber schlecht und hört schlecht, vielleicht liegt es daran).
PROF. MEINS : Ob es gelingen wird, Ihren Vater ruhig und zufrieden zu kriegen, da bin ich offen gesagt, etwas skeptisch, aber vielleicht kann man seinen Zustand bessern. Ihre Schilderung lässt mich daran denken, dass Ihr Vater vielleicht eine so genannte Demenz mit Lewy-Körperchen hat. Dagegen helfen oft besonders gut die bereits vorhin schon erwähnten Acetycholinesterase-Hemmer.
Prankel : Bei meiner Mutter wurde vor 6 Jahren zuletzt ein CT des Gehirns gemacht. Damals wurde die Diagnose Alzheimer gestellt. Warum gibt es keine Kontrolluntersuchungen, um den Stand der Erkrankung zu definieren? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass an diesen Patienten gespart werden soll, weil es ja „totes Kapital” ist, da kommt ja nichts zurück für die Gesellschaft. Wir fühlen uns als Familie medizinisch sehr allein gelassen. Gut funktionieren Selbsthilfe und Anlaufstellungen für organisatorische Dinge.
PROF. MEINS : Im Rahmen der Diagnostik und Behandlung einer Alzheimerkrankheit ist es in der Regel lediglich zu Beginn einmal erforderlich, eine Bildgebung des Gehirns, also z. B. ein CCT, durchzuführen. Es dient dann dem Ausschluss anderer Erkrankungen als der Alzheimerkrankheit. Die Verschlechterung der Alzheimerkrankheit stellt sich im Alltag dar, dazu braucht man kein neues CCT. Es wäre nur sinnvoll, es erneut durchzuführen, wenn im Krankheitsverlaufe neue Gesichtspunkte auftreten, z. B. der Verdacht auf einen Schlaganfall.
J_Eisenschmidt : Was genau ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz? So richtig schlüssig konnte mir das noch keiner erklären, hieß immer „die Übergänge seien fließend”. Wie kann ich als Angehöriger wachsam sein, wenn ich nicht genau weiß, worauf ich achten soll?
PROF. MEINS : Demenz ist ein so genanntes Syndrom, also das gemeinsame Auftreten von bestimmten Symptomen. Etwa wie bei einer Erkältung, die auch durch Husten, Schnupfen, Heiserkeit gekennzeichnet ist. Aber bekanntlich können viele verschiedene Erreger im Falle der Erkältung zu einem ganz ähnlichen Zustand führen und so ist es auch beim Verhältnis von Alzheimer und Demenz. Denn die Alzheimerkrankheit ist zwar die häufigste, aber letztlich nur eine von vielen Krankheiten, die zu einem Demenzsyndrom oder zu Demenz führen.
C_Hauth : Moderne Medikamente können nach meinem Kenntnisstand Alzheimer in der weiteren Entwicklung hinauszögern. Soweit habe ich das recherchiert. Nicht weiter gekommen bin ich damit, inwieweit meine Mutter darauf Anspruch hat als Kassenpatienten. Wir sind schon beim dritten Hausarzt (Ärztewechsel unter starkem Protest meiner Mutter!), aber es führt zu nichts. Einer hat es mal ausgesprochen und sagte, was wollen Sie denn noch, Ihrer Mutter geht es doch eigentlich ganz gut. Ich war total fassungslos. Andererseits habe ich nicht die Möglichkeit die Medikamente auf eigene Kosten zu kaufen, falls das überhaupt geht. Weiß ich nicht. Durch zeitweilige Arbeitslosigkeit und 3 Kinder sind wir sehr am kämpfen. Ich kann aber nicht daneben stehen und zugucken, wie das bei Mutter immer schlimmer wird und keiner tut was. Sieht Prof. Meins irgendeine Chance?
PROF. MEINS : Das ist ein leider gar nicht so selten vorkommendes Problem, was hier angesprochen wird. Aus medizinischer Sicht besteht die Notwendigkeit für eine angemessene medikamentöse Behandlung aber weil diese Medikamente einerseits nicht ganz billig sind und andererseits die niedergelassenen Kassenärzte bestimmten finanziellen Einschränkungen unterliegen, kommt es leider oft zu diesen Erscheinungen. Hinzu kommt aber wahrscheinlich häufig noch eine entsprechende Einstellung des jeweiligen Arztes, der vielleicht einer medikamentösen Behandlung bei Demenz ablehnend gegenübersteht. Auch wenn es für eine solche Behandlung gute medizinische Gründe gibt. Eine Lösung könnte vielleicht sein, dass eine Überweisung zu einem einschlägigen Facharzt, also zu einem Neurologen oder Psychiater, verlangt wird. Am besten zu einem Arzt, von dem bekannt ist, dass er schwerpunktmäßig auch Demenzpatienten behandelt. Gelegentlich sehen sich die lokalen Alzheimergesellschaften in der Lage, solche Ärzte zu nennen.
Kai : Mein Bruder ist erst 38 Jahre, aber er hat seit 2 Jahren Alzheimer. Das geht alles sehr schnell voran bei ihm. Nach allem was ich inzwischen weiß, geht das normalerweise nicht so schnell. Ist er evtl. nicht richtig versorgt? Meine Mutter kümmert sich aufopfernd um ihn, die Frau hat ihn verlassen, die Kinder kümmern sich auch nicht. Es ist alles sehr schrecklich. Ich nutze hier sehr gern die Möglichkeit mich zu informieren, falls es etwas gibt, was man bei einem so jungen Patienten noch machen kann. Übrigens ist das erblich? Woher kommt das in diesem Alter?
PROF. MEINS : Das sind viele Fragen in einem. Leider hat der Frager nicht angegeben, ob überhaupt eine medikamentöse Behandlung erfolgt, die in diesem Fall natürlich erfolgen sollte. Aber, dass sich innerhalb von zwei Jahren eine deutliche Verschlechterung eingestellt hat, passt leider durchaus zu dieser Krankheit. Wenn in so jungen Jahren eine Alzheimerkrankheit auftritt, dann muss man in der Tat an die Möglichkeit denken, dass es sich um eine der sehr seltenen familiären Formen handeln kann. Ich würde empfehlen, doch einmal eine spezialisierte Gedächtnisambulanz, z. B. an einer Universitätsklinik, aufzusuchen.
Ende der Sprechstunde.
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